Mein 2. Leben

Daran glaube ich

Ich wurde
glücklicherweise
wiederbelebt und
kann nun etwas erzählen.

Zur Sicherheit

Am 7. Juli 1977 brachte mich meine Mutter ins Krankenhaus in Scheibbs. Der Verdacht: eine Kehlkopfentzündung. Zur Sicherheit wurde ich aufgenommen. Am nächsten Morgen, um 5:00 Uhr, hörte ich auf zu atmen. Meine Lungen stellten ihre Arbeit ein, mein Herz ebenfalls. Atemstillstand. Herzstillstand. Ein junger Arzt war im richtigen Moment zur Stelle. Er hat mich wiederbelebt und mit einem Not-Schnitt am Hals mein Leben gerettet. In gewisser Weise hat er mir ein zweites Leben geschenkt.

Unbewusst und Unwissend

Gedankt habe ich ihm nie. Vielleicht auch, weil ich lange keinen Zugang zu dem hatte, was damals passiert ist. Traumatische Erfahrungen verschwinden oft nicht – sie entziehen sich nur unserem bewussten Zugriff. Der Körper erinnert sich, auch wenn der Verstand schweigt. Über viele Jahre hinweg spielte dieses Ereignis in meinem Leben keine Rolle. Ich wusste davon, aber es hatte keine Bedeutung für mich. Es war eine Information ohne Verbindung.

Der Wandel

Erst Jahrzehnte später begann sich für mich etwas zu verändern. Durch intensive Erfahrungen, Gespräche und Formen der inneren Arbeit tauchten erste Fragmente wieder auf. Keine klaren Bilder, eher ein Gefühl. Eine Ahnung davon, dass es da etwas gibt, das tiefer reicht. Ich begann zu verstehen, dass mich bestimmte Zustände schon immer angezogen haben – Momente, in denen das Gewohnte kurz still wird. Augenblicke, in denen sich etwas öffnet, das schwer in Worte zu fassen ist. Übergänge, in denen ich Kontrolle aufgebe und Vertrauen entsteht.

Über allem steht die Liebe

Mit der Zeit entstand daraus eine eigene, sehr persönliche Einsicht: Wir müssen den Tod nicht fürchten. Es geht darum, das Leben zu leben und mit Dankbarkeit zu erkennen: Es geht nie um Leistung, Macht oder Kontrolle – sondern um etwas viel Einfacheres und zugleich Anspruchsvolleres: Es geht um die Liebe. Es gibt Erfahrungen im Leben, die uns daran erinnern. Intensiv und manchmal auch irritierend. Sie zeigen, dass wir Teil von etwas Größerem sind – und dass wir diesem Teil nicht mit Angst begegnen müssen. Für mich ist das heute kein Konzept mehr, denn ich weiß es: Alles hängt zusammen. Und im Zentrum steht die Liebe. Daraus sind meine Werte »Love« und »Truth« entstanden: Ich versuche immer in Liebe die Wahrheit zu sagen.